Augustusburg im Erzgebirge.
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Historisches Kalenderblatt

  • 10. August 1762 Siebenjähriger Krieg - Die Preußen erpressen Abgaben mit inhaftieren Geiseln
An Exekutionsgebühren musste täglich gegeben werden dem Oberleutnant 3 Taler, drei Unteroffiziere jedem 1 Taler und jedem Gemeinen, an 30 Mann, 16 Gute-Groschen, zusammen 28 Taler 4 Gute Groschen ohne die Ration, welche die Amts-Dorfschaften liefern mussten. Den 10. August brachte ein Kommando den Stadtrichter von Marienberg als Geisel in die Stadt. Den 11. August brachten sie den Bürgermeister aus Wolkenstein. Den 12. August waren die Ortsrichter zur Amtssteuer beschieden, im Beisein des Leutnants; da wurde ihnen noch 24 Stunden Zeit gegeben zur Ablieferung des dritten Teils der Quatember und Schockgelder, oder es würden hernach vermöge seiner Ordre drei Mann als Geiseln abgeholt und nach Freiberg geliefert.
  • 2. August 1802 - Die neugegründete Schützegesellschaft veranstaltet ihr erstes Vogelschießen
Auch wurde in diesem Jahre die Schützen-Gesellschaft gegründet, und es kam auch noch so weit, dass dieselbe den 3. August Vogelschießen halten konnte.
  • August 1809 Napoleonische Kriege - nach deer Schlacht in Deutsch-Wagram wird in Augustusburg rekrutiert
Das Amt Augustusburg musste im Monat August 88 Mann Rekruten schaffen. Die Aushebung geschah durch den Major von Schönberg auf Börnichen bei Oederan. Die jungen Mannschaften wurden in dem Hasenhaus untergebracht, sie durften nicht, wie die Aushebung vorüber war, nach Hause gehen, wie jetzt, sondern sie mussten sogleich nach Dresden. Die Musik der Bürgerschützen ging bis Oederan mit. Aus Stadt Schellenberg mussten zweie Soldat werden, ein Dienstbote, welcher bei Herrn Johann Christian Rümmler in Diensten war, und Karl Auerbach.
  • 3. August 1845 - Die neuerbaute Kirche wird geweiht
Es war der 3. August 1845, welcher von der Königlichen Kircheninspektion zum Einweihungstage dieses neuen Gotteshauses bestimmt worden war, und welcher daher in den Annalen der hiesigen Kirchfahrt stets einen Glanzpunkt einnehmen wird. Tags vorher schon kamen Gäste von nah und fern herein in die mit Flaggen, Girlanden und Kränzen festlich geschmückte Stadt, und das einstündige Lauten aller drei Glocken und auch der Schlossglocke kündigte am Vorabende den bevorstehenden festlichen Tag an. Das nochmalige einstündige Geläute der Glocken, dem die Reveille des hiesigen Schützenkorps und gleichzeitig das Abschießen mehrerer Böllerschüsse folgte, weckte die Bewohner der hiesigen Stadt am frühesten Morgen, und brachte den ersten Festgruß von dem erfolgten Eintritte desselben, welcher übrigens auch noch von dem schönsten Wetter begleitet war. Früh 6 Uhr sang die Kantorei vom Turme herab unter Posaunenbegleitung. Immer mehr füllten sich nun die Gassen der Stadt von den herbeiströmenden Fremden, die Bewohner der eingepfarrten Ortschaften kamen zahlreich herbei, und die hiesige Schützengesellschaft nebst Abteilungen Bürgerschützen der Nachbarstädte Oederan und Zschopau, die hiesigen Innungen und sämtliche Schulen der Parochie zogen auf und bewegten sich nach dem Schlosshofe zu. Nach  9 Uhr an der Schlosskirche formierte sich der Festzug nach Maßgabe der Festordnung vom Schlosshofe aus und bewegte sich unter dem Geläute der Schloss- und Stadtglocken schweigend über den Markt nach der neuen Kirche hin, wo eine Abteilung der hiesigen Schützengesellschaft und die Innungen ein Spalier bildeten. Nach erfolgter feierlicher Übergabe der Schlüssel und Eröffnung der Haupttüre, setzte sich der unübersehbare Festzug wieder in Bewegung, und zog unter vollem Orgelklange ein in das freundliche Gotteshaus, welches sich in kurzer Zeit dermaßen füllte, dass nicht nur alle Plätze besetzt wurden, sondern auch viele Teilnehmer genötigt waren, stehend im Schiffe und den Emporen der Kirche die ganze Feierlichkeit mit abzuwarten. Die 10 Fahnenträger stellten ihre Fahnen bei ihrer Ankunft auf der unter dem Orgelchore befindlichen Emporkirche so auf, dass solche nach dem Schiffe der Kirche gerichtet von dieser Emporkirche herabweheten, was einen besonders schönen Anblick gewährte.
In den späten Abendstunden wurden die beiden Kronleuchter in der neuen Kirche angezündet, und vom Turme herab ertönte abermals von der hiesigen Kantorei ein Festgesang mit Posaunenbegleitung, wobei die Sänger sich mit bunten Laternen versehen hatten, während gleichzeitig eine vom Kirchplatze aufsteigende bengalische Flamme des Kirchengebäude und dessen Umgebung wie mit magischem Zauberlichte übergoss.
 
  • 17. August 1632 Dreißigjähriger Krieg - Die Kaiserlichen verwüsten Oederan
Am 17 August 1632 sind die Kaiserlichen in Oederan eingefallen, haben erst die Stadt geplündert, den Bürgermeister zum Kirchturm hinausgehängt, dann 400 Mann niedergehauen und darauf die Stadt in Brand gesteckt; das kam daher, weil sich die Bürger mit einem Schweden vereinigten, welcher sich an die Spitze stellte und sich mit 800 Mann gegen dieselben verteidigte.
  • 11. August 1758 Siebenjähriger Krieg - Die Österreicher überschreiten die Flöha
Den 11. August ging der Marsch durch Metzdorf nach Oederan; da sie nicht über die ruinierte Brücke konnten, so mussten sie alle durch das Wasser. Es wurden 100 Mann von den Dorfschaften Metzdorf, Grünberg und Dorfschellenberg angestellt, die Brücke in 4 Stunden wieder herzustellen; ein Kommando Österreicher blieb dabei stehen, welche nicht eher abgingen, bis die Brücke fertig war.
  • 17. August 1758 Siebenjähriger Krieg - Gefechte in Waldkrichen
Den 17. August haben die Preußen und Österreicher in Waldkirchen einander getroffen, Husaren an beiden Seiten, die Österreicher haben sich zurückziehen müssen und 30 Mann Gefangene zurückgelassen. Der Amtsaktuar und Amtslandrichter nebst dem Amtsfron gingen in der Gegend von Gornau herum, den Schaden zu taxieren, den das preußische Lager angerichtet. Wie sie an den Staupenberg kamen, wurde das Pferd scheu, geht unter die österreichischen Husaren, und der Aktuar musste einen Gulden geben, nur dass er mit großer Mühe sein Pferd wieder erlangt.
  • 14. August 1762 Siebenjähriger Krieg - Die Preußen verschleppen die Steuereinnahmen
Den 14. August wurde schon eine Lieferung mit Geld von der Amtssteuer-Einnahme auf einem zweispännigen Wagen nach Freiberg gebracht. Es hatten schon viele Dorfschaften ihren dritten Teil der Quatember und Schockgelder abgeliefert. In der bei sich habenden Ordre des Herrn Leutnant ist der Stadt Zschopau und Stadt Schellenberg anzudeuten, dass sie alle mögliche Anstalt zur Abtragung der Brandschatzung machen sollten, oder der gewiss darauf erfolgenden Exekution sich zu gewärtigen, welche auch nicht eher abweichen würde, bis die gänzliche Bezahlung erfolgt wäre.
  • August 1856 - Tödlicher Blitzeinschlag
Im Monat August erschlug der Blitz einen jungen Menschen, der bei dem Begüterten Frenzel in Dorfschellenberg in Diensten war, nebst einem Pferd unweit Schellenbergs. Gleichzeitig schlug der Blitz in eine Linde auf dem Lotterhof.
 
  • Dezember 1628 - Kriminalintriege um einen großem kurfürstlichen Becher

Im Jahre 1628 im Dezember ist auf dem Schlosse ein großer goldener kurfürstlicher Becher, 2 1/4 Elle hoch, von des damaligen Wildmeisters Präceptor gestohlen worden. Weil nun der Amtsschösser denselben bezahlen sollte, hatte er die Schuld auf den Torwärter Christoph Olbricht geschoben, indem der Schulmeister Bernhard Schaale ausgesagt, wie der Torwächter dem Präceptor den Mantel umgegeben und den Hut aufgesetzt habe, sei der Mantel vom Winde etwas abgeweht, dass er den Becher sehen konnte. Hierauf ist der Torwächter auf die Tortur gebracht und grausam gemartert worden, hat aber doch nichts eingeräumt; er wurde 3 Jahre Landes verwiesen und kam nach Ablauf dieser Zeit wieder;

  • 16. Dezember 1634 Dreißigjähriger Krieg - Dier Stadt erhält einen Schutzbrief

Idem der Römisch Kaiser- und Königlichen Majestät und den Löblichen Mortin'schen Regiment zu Fuß, bestallter Obrist [Oberst] Leutnant und anjetzo Kommandant zu Chemnitz. Ich Hans Heinrich von und zu Schützen, füge aller Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestät Armeen zugetanen hohe und niedere Offizieren und gemeinen Soldaten zu Ross und zu Fuß nebst Anerbietung meiner nach Standes-Gebühr ganz willigen und freundlichen Diensten, hiermit zu wissen; denenjenigen aber, so meinen Kommando untergeben, bei Leibes- und Lebensstrafe ernstlich befehlende, dass sie das Städtlein Schellenberg nebst Schloss Augustusburg und dessen Einwohner Geist- und Weltliche, auch deroselben Güter, Vorwerke und Mühlen nebst allen, Weib, Kinder, Gesinde, Habe und Fahrnis kleinen und großen Vieh, ganzen Vermögen, noch alles andere wie das Nehmen haben mag in geringsten, nicht molestieren sondern defendieren, viel weniger mit eigentätiger Einquartierung, Plünderung und andere dergleichen Gewalt beleidigen oder kränken und diese Salvegarde keinerlei dass und was pratex. es beschehen möge, sondern gebührender maßen respektieren bei Vermeidung Ungelegenheit und erstre unausbleibende Strafe. Darnach sich ein jeder zu richten. Zu Urkund Ich solche eigenhändig unterschrieben und mit meinem  angebornen Insiegel bekräftiget.
Quartier Chemnitz, den 16. Dezember 1634.
(L. S.) Haus Heinrich von und zu Schützen.

  • 19. Dezember 1759 Siebenjähriger Krieg - Das Lehngericht brennt

Den 19. Dezember, früh um 8 Uhr, kam Feuer in dem Viehstall des Lehngerichts aus, welches denselben gänzlich in Asche legte; gerettet konnte nichts werden, auch verbrannte das ganze Rindvieh mit; man sah den gänzlichen Untergang vor Augen, auch verbrannte die Frau des Landrichter Hübler mit, eine Frau von 52 Jahren, es war nichts mehr übrig als ihre Gebeine; in drei Tagen starb auch der Herr Landrichter in dem 59. Jahr.

  • 18. Dezember 1762 Siebenjähriger Krieg  - Der preußische Oberst soll mit einem Kalb bestochen werden

Den 18. Dezember wurde Meister Johann Adam Lange, Bürger und Weber, zur Zeit Kirchen-Vorsteher, von Seiten der Gerichte mit einem Bittschreiben wegen der Brandschatzung nach Chemnitz an den Herrn Oberst Pillerbeck abgeschickt nebst einem Boten, welcher eine Kalbe zu tragen hatte, solche dem Herrn Oberst zu schenken; es hat aber der Oberst gedachten Meister Lange in Arrest zur Geisel darinnen behalten, und wollte ihn nicht eher herauslassen, bis das Geld alles eingeliefert wäre; das Kalb wurde zwar angenommen, der Bote musste aber allein wieder zurück.

 
  • 29. Dezember 1720 - Ein Bär ist los!

Sen 29. Dezember 1720, am Sonntage nach dem Christtage stieg mitten unter der Predigt ein Bär nicht weit vom Bärenfange über die Mauer, den etliche mutwillige Knaben mit Broteinwerfen an sich gelockt hatten. Dieses war um desto leichter möglich, weil teils die Mauer dazumal nur 5 Ellen hoch, und der Kalk meistens abgefallen war, dass also der Bär mit den Klauen leicht einhauen und herauf steigen konnte. Er ging hierauf nicht in den Wald, sondern erst vor das Schlosstor und dann in das nächst an dem Fahrwege des Schlossberges gelegene Haus, alwo er in dem Hausgärtchen durch das obere Fenster in die Stube hineinbrach, und daselbst 3 Kinder allein beisammen antraf. Das eine Mädchen entlief sogleich; das andere aber, Maria Sophia, von 10 1/2 Jahren Christian Klotz, des Brunnentreibers, einzige Tochter, erhaschte der Bär im Ausreißen vor der Stubentüre und biss sie zu Tode. Da nun des nächsten Nachbars, Hans Michael Hungers, des Böttchers Weib, Anna Elisabeth, von 58 Jahren, welche ebenfalls ganz allein gewesen, das Geschrei der Kinder gehört und herzugelaufen, ist sie von dem Bär auch angefallen, und dergestalt hart verwundet und gebissen worden, dass sie des andern Tage gestorben. (dieses geschah ganz in der Nähe der alten Buchdruckerei.) Hierauf lief der Bär auf den Kirchhof und über den Markt in dem Städtlein hinunter, ergriff einen frommen Bürger und Leinweber von 45 Jahren, - Hans Fischer, der, da er vom Bär gehört, aus der Kirche gegangen - bei dem Brauhause, schleppte ihn unter den Gasthof, zerbiss und fraß ihn auch zum Teil daselbst grausam. Endlich wurde diese Bestie von einem Jägerburschen durch einen Schuss von dem Manne abgetrieben, welcher aber schon tot war; der Bär wurde durch das Städtlein bis zu des Cavillers [Abdecker] Hause hinaus verfolget, wo er mit etlichen Schüssen getötet und darauf nach Dresden in den Jägerhof geschafft wurde.

  • 31. Dezember 1759 Siebenjähriger Krieg - Soldaten rücken ein

Den 31. Dezember, nachmittags um 3 Uhr, rückte ein Regiment braunschweigische Infanterie von 1.800 Mann in Schellenberg ohne Knechte und Weiber ein, dass in einem Hause 16, 18, 20 bis 24 Mann einquartiert wurden, welche mit Essen und Trinken versorgt werden mussten. Da hörte man Jammer und Wehklagen; es war ein trauriger Beschluss des alten Jahres. Ein Regiment Dragoner rückte auch in das benachbarte Dorf Grünberg, so dass in einem Bauerngut 50, 60, 70, 80 bis 100 Mann einquartiert wurden. Die Scheunen, Ställe und Böden wurden erbrochen und Hafer, Heu und Stroh, desgleichen auch Korn und Gerste, wurde den Leuten genommen, auch den unbegüterten Häuslern, welche es selbst erst kaufen mussten, und alles verfüttert. Es ist nach allen Umständen nicht genug zu beschreiben, wie erbärmlich und jämmerlich es zum lieben Neujahrsabend in unserer Stadt hat ausgesehen, woran ein jeder gedenken wird; da sah man nichts als Soldaten und Wagen, wo vor man nicht auf den Gassen fortkommen konnte. Auf dem Schloss quartierte sich der General ein, alle Tore in demselben wurden mit doppelter Wache besetzt, die Ställe wurden mit Pferden bezogen so viel man nur unterbringen konnte, und des Abends um 9 Uhr wurde in einem Hause vor Hauptmanns.

  • 27.-29. Dezember 1760 Siebenjähriger Krieg - Rekrutierungen

Den 27. und 28. sah man nichts als Rekruten von den Amtsdorfschaften herein in das Amt bringen. Den 29. wurden zwei Wagen mit Rekruten durch den Amtslandrichter nach Freiberg gebracht.

  • 27. Dezember 1762 Siebenjähriger Krieg - Die Preußen fangen neue Rekruten in der Kiche ein

Den 27. Dezember, als am dritten Weihnachtsfeiertag, vormittags unter der Kirche, kam unvermutet ein preußisches Kommando von dem Oberst  Pillerbeck von Chemnitz auf Exekution auf die Rekruten, um dieselben sogleich aufzufangen. Die Preußen besetzten nun alle Türen der Kirche, in welcher sonst nie am dritten Weihnachtsfeiertag Gottesdienst  gehalten wurde; was gab es da für einen Schreck und Rumor, der Prediger musste
auf der Kanzel seine Predigt beschließen, indem die jungen Mannspersonen vor Angst über die Emporkirche hinunter sprangen, in die Sakristei hinein liefen und nun zu der daselbst hinausgehenden Türe hinaus wollten; diese war aber auch schon von den Preußen besetzt, in die Kirche kamen sie jedoch nicht hinein während des Gottesdienstes. Es wurde in aller Angst der Segen gesprochen und wie gewöhnlich die Kirche beschlossen. Mittlerweile hatten sich die jungen Mannspersonen verkrochen; wie nun die Kirche aus war, so ließen sie die Weibspersonen vorbeigehen, was aber an Mannspersonen herauskam trieben sie alles auf den Kirchhof zusammen, es mochte alt oder jung sein, worauf sie nachher die Kirche stürmten und aussuchten; sie kamen jedoch nicht in die rechten Löcher, wo sich das junge Volk verkrochen hatte. Da sie nun dachten alles ausgesucht zu haben, so nahm der Leutnant als Oberoffizier die heraus, welche ihm anständig waren, und ließ dieselben in das Lehngericht in Arrest bringen. Es entsprangen ihnen aber auf diesem Wege vier Mann; da sie gleich nach ihnen schossen trafen sie auch dem einen in den Arm; die den Markt hinunter liefen, brachten sie sogleich wieder zurück, der aber, welcher den Pfaffstein hinaus lief, war hinweg, obgleich sie nach ihm schossen. Nachmittags aber um zwei Uhr ging das ganze Kommando auf die Amtsdorfschaften; das junge Volk aber hatte sich, als wieder Flucht war, aus der Kirche hinaus in den Wald geflüchtet. Es wurden aber sogleich die Väter  durch die Soldaten gefangen genommen, welche ihre Söhne ausliefern sollten; desgleichen wurden auch die Mütter mit festgenommen, wo die Väter geflüchtet waren.
Den 30. und 31. Dezember sah man, wie die Soldaten die armen jungen Burschen und Männer vom Lande hereingeführet brachten, mit Stricken zusammengekoppelt wie die Pferde, welches einen Stein in der Erde hätte erbarmen mögen; hinter den Soldaten her sah man einen alten Vater und eine alte Mutter gehen, welche über ihr Kind weinten, desgleichen auch Brüder und Schwestern. Auf dem Felde wurden die jungen Mannspersonen wie die Hasen von den Soldaten herumgetrieben bei so großer Kälte; des Nachts mussten sie sich wie das wilde Vieh verkriechen, und vor Hunger und Kälte fast vergehen. Man hörte auch, dass viele tot gefunden worden sind an andern Orten.

  • 31. Dezember 1813 napoleonische Kriege - Die Stadt feiert den Geburtstag des Zaren als Landesherrn

Unterdessen rückte das Jahr zu Ende in lauter Not. Am 31. Dezember wurde auch der Geburtstag des Kaiser Alexander von Russland gefeiert. Es war ein trauriger Beschluss des alten Jahres. Der Amtmann Gottschald hielt auf dem Markt eine Rede; es war Abend, und die Kinder zogen in die Schlosskirche, von denen manche keine Eltern mehr hatten. Denselben Abend wurde auch die Schlosskirche geöffnet, sonst wurde der Gottesdienst in der Stadtkirche gehalten. Das Öffnen der Schlosskirche war aber zum Nachteil; es standen zwei Bürgerschützen vor der großen Kirchtüre, mit Namen Gottlob Berge und Anton Lange; beide wurden den andern Tag krank und starben auch. Es starben noch viele von den Bürgerschützen, weil sie die Wache auf dem Schlosse hatten.

 
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