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          Die Erzbetrügerin Monsieur von Marbitz, genannt: Prinz Lieschen.

 

            Im Jahre 1714 ist im Oktober und November ein Gerücht entstanden, wie dass im Erzgebirge eine Person herumziehen sollte, welche vor einem Prinz, der inkognito lebet, gehalten worden. Den 8. November ist diese Person von Herrn Pöckel aus dem Gebirge in schwarzer Kappe und Weste mit zwei Dienern nach Oederan gebracht und bei seinem Schwiegervater, Herrn Bürgermeister Vogel einquartiert worden, welcher sich gar viel damit gewusst, und aus dessen reden: "Wie er wollte eine neue Orgel in die Kirche bauen lassen; it. ihm sein Haus aufbauen lassen", er sich, der Bürgermeister, große Berge und Schlösser ausgesonnen.

            Endlich zwar hat Pöckel an der Kirmes diese Person, welche sich Monsieur von Marbitz nennen ließ, zu Herrn Volkmann gebracht und weil es ihm daselbst besser, als beim Bürgermeister Vogel gefallen, ist er bei Volkmann geblieben. Inmittelst von letzterem mit Kost und Logis köstlich traktiert, mit einem Pferdesattel- Zeug, Pistolen, seinem grünen Pelz und feinem Silberwerk beschenket und ihm viel Geld vorgestreckt und fast täglich mit den Grünberger Musikanten im Tanzen und Springen unterhalten worden. Weil aber nun auf einmal die Musikanten von ihm murmelten: es wäre ein Prinz allhier, ist er von dem Amtmann Crusius, Landrichter Neudeck, Aktuarius und Schöppen in Oederan in der Kirche attaquiret und hernach ihm bei Volkmann Arrest angekündigt und dann auf das Schloss Augustusburg in des Aktuarius Stube einlogiert und von 2 Bürgern bewacht worden.

            Darauf und zwar den 30. Dezember ist Volkmann bei mir eingekehrt und habe ihn Monsieur von Marbitz besuchen müssen, da er unpass und im Bette gelegen, welches ich bemitleidete und getröstet und bald wieder Abschied genommen. Anno 1715 ist Herr Volkmann herauf gekommen und hat ihn besucht als etwas Großes. Abends kamen noch die Knechte mit Pferden und brachten die Frau Volkmann in garstigen kalten Winterwetter zu Schlitten. Da sie beide ihn besuchet, ladeten sie ihn ein zu Mittags- und Abendessen und blieben zu Ehren des vermeintlichen

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