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die Österreicher weichen mussten, aber nach der vom Plauer Berge erlangten Verstärkung die Franzosen über die Flöha nach der Chaussee zurücktrieben. Dieses Ereignis hatte nun auch den Rückzug der Franzosen im Garten und auf der Brücke vorgedrungenen abends 7 Uhr zur Folge. Nach einiger Zeit kam eine nicht starke Abteilung der Österreicher bis an den Verhau zurück, aber auf unsere Seite kam niemand. Da sie nämlich in der Flanke und im Rücken bedrohet, zum Teil durch die Mühle über die Zschopau in die Struth sich zurückziehen müssen, so waren sie getrennt worden. Bei dieser Verwirrung war die Magd in der Mühle, Hanna Streu, aus Plaue, in der Wohnstube, mitten unter des Müllers Kindern, so in den Hals geschossen worden, dass Speise und Trank bei der Wunde wieder heraus kam, und diese junge und starke Person verhungern musste, und als sie endlich am 11. Tage starb, ganz wie verdorret war. Ich habe keinen solchen traurigen Krankenbesuch wieder gehabt, auch vorher nicht. Ich habe alle Trostgründe der Religion erschöpfen müssen, um sie zu beruhigen. Sie war endlich Gott ergeben und bat nur die Hausgenossen, dass sie nicht in ihrer Gegenwart essen möchten.

            Ein anderes Unglück war an diesem Tage noch das Abbrennen der schönen Landbrücke, die noch ein Jahrhundert gestanden hätte, so wie auch die ebenfalls über die Zschopau zur Fabrik des Herrn Kommerzienrats Seber führende Brücke durch Feuer zerstöret wurde, nachdem die Metzdorfer Brücke schon früher abgebrannt worden war. Der Verlust an toten Militärs war von beiden Seiten groß, noch größer aber die Zahl der Verwundeten, besonders der Franzosen, von denen durch die österreichische reitende Artillerie, mit 2 Rädern, in den zur Mühle in Gückelsberg führenden Hohlwegen gern 300 Mann blessieret worden sind.

            Zugleich gab dieser Tag ein Beispiel, wie ein kleiner, an sich unschuldiger Umstand, der aber nicht beachtet worden war, sehr nachteilig werden kann. - Als ich nämlich am 3. Oktober bei der ersten Nachricht von der abermaligen Annäherung der Franzosen aus dem Gerichte wegeilte, waren alle Anwesenden gleich erschrocken, und da eben mehrere zugegen waren, welche Lebensmittel, zur weiteren Verteilungsabgaben, auch fremde Boten da waren, so war es leicht möglich, dass während des Gefechtes, eine Tür offen geblieben sein konnte, welches man aber von Seiten der Österreicher übel aufgenommen hatte. Denn als der Kommandeur am Abend an der Brücke wieder angekommen war, so ließ er mir gleich sagen: "ich hätte brav gehandelt, dass ich meine Türen, während des Gefechtes

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