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            Hier trug sich auch eine Begebenheit zu, welche wohl verdient hier mitgeteilt zu werden. Der Totenwagen war eben auf dem Totenacker angekommen, und die Krankenwärter sind beschäftigt, die Toten der kühlen Erde zu übergeben, als der eine sagt, dieser kann noch nicht tot sein, denn ich bemerkte, dass derselbe noch blutet, wir wollen ihn wieder mitnehmen. Der andere jedoch will nicht, dass er wieder mitgenommen wird. Da aber der erste darauf bestand, nahmen sie ihn wieder mit, und er wurde auch wieder gesund; ich selbst habe mit ihm gesprochen.

            Das Fieber wurde nicht nur im Hospital, sondern auch unter den Einwohnern von Schellenberg immer schlimmer. Auf dem Totenacker konnten die Toten nicht mehr untergebracht werden, weshalb die Soldaten nun im Wald begraben werden mussten. Wenn man in den Wald nach Hennersdorf hineinkommt, so steht links eine Tanne und rechts geht ein Fahrweg ab; dieser führt auf die Stelle, wo weit über tausend Soldaten begraben liegen, in einem Grabe gegen 80 Mann, inklusive der Franzosen, welche später dahin kamen. Das Elend war groß, es gab nicht einmal eine Apotheke, man musste die Arznei aus Zschopau oder Oederan verschreiben lassen.

            Unterdessen wurden die Nachrichten immer bedenklicher. Auf einmal hieß es, Preußen habe sich an Russland angeschlossen und ginge mit gegen Frankreich. Der König erließ einen Aufruf an sein Volk, worauf dasselbe sich auch aus Liebe zu seinem Vaterland scharenweise unter die Fahnen stellte.

            Mittlerweile waren auch die Sachsen unter dem General Reynier in Dresden eingetroffen, wobei sich auch Franzosen befanden. Die Erbitterung wurde groß, denn in Dresden wurden Anstalten unter dem General Davoust getroffen, den dritten Pfeiler der schönen Elbbrücke zu sprengen. Die Gemüter wurden dadurch sehr gegen die Franzosen erbittert; mancher dachte Sachsen könnte sich gleich mit an Russland und Preußen anschließen, was aber gewiss zum größten Nachteil gewesen sein würde.

            Der König von Sachsen verließ Dresden mit einer kleinen Bedeckung, und begab sich nach Regensburg und von da später nach Prag. Die Bedeckung war von dem Garde-Kürassier-Regiment, denn dieses Regiment und die Leibgrenadier-Garde waren nicht mit in Russland.

            Mittlerweile kamen die Russen immer näher, auch hörte man, dass die Preußen sich schon an dieselben angeschlossen hätten. Kurz darauf trafen sie auch schon in Dresden ein. Da gab es neue Besorgnisse. Nicht nur in Torgau, sondern auch

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