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bitten wollte, deinen vorgestrigen Fehltritt zu verschweigen, es würde mir nichts helfen; denn so etwas geht umher wie ein Lauffeuer. Der Herr aber segne und bewahre dich vor allem Bösen! Gute Nacht!“

            Fingerling reichte dem Kinde seine Rechte und drückte zum Zeichen seiner Versöhnlichkeit einen herzlichen Kuss auf ihre Stirn. Dann legte er sich wieder nieder.

            Fingerling, obschon nur ein Lumpensammler, hatte eine gute Erziehung gehabt, dabei einen offenen Kopf und viel gelesen, namentlich in der Bibel. Daher sprach er auch verständig.

            Am andern Morgen klagte zwar Gustel über einige Schmerzen im gebrochenen Arme, noch mehr aber über die ihn umgebenden Schienen, doch war das Wundfieber mäßig gewesen und der gehabte Schreck ohne weitere nachtheilige Folgen geblieben.

            Den ganzen Morgen brachte Fingerling mit dem Säubern seiner Sonntagskleidung, mit Abschneiden seines ansehnlichen Bartes und Putzen seiner Stiefel zu.

            „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde,“ sprach er zu den Seinen. „Wüsste ich Jemand, der auf unsere Gustel ein wachsames Auge hätte, so müsstest du mit mir zur Kirche, liebe Frau! Mir geht jetzt schon das Herz auf und das Auge über, wenn ich an den heutigen Gottesdienst denke. Ob nicht unser Herr Pfarrer die Gefahr, in welcher unser Kind schwebte, erwähnen sollte? Ich sollte es meinen. Unsere Gustel in dem Bärenfange ist ja ein Gleichnis auf den Daniel in der Löwengrube

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