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            „Wenn auch!“ Entgegnete Fingerling. „Der Hehler ist so gut wie der Stehler, und wer um einen Diebstahl weiß, ihn aber verheimlicht, ist und bleibt unehrlich. Warum - frage ich dich - deckt Niemand dem Könige auf, was du mir jetzt entdeckt hast?“

            „Weil derselbe auf der Stelle sein Brod verlieren und in das Zuchthaus kommen würde,“ versetzte der Hofschleusenräumer. „Mein Brühl ist gut - mein Brühl belügt mich nicht,“ würde der König sagen, wenn man die Schlechtigkeiten seines Lieblings aufdecken tollte, „ihr aber seid Verleumder und gedenkt ihn zu stürzen.“

            „Nun, so schreibt es dem Könige,“ sprach Fingerling hitzig. „Wenn Niemand sich's ihm zu sagen getraut.“

            „Oh!“ Erwiderte der Hofmann, „der König bekommt kein Schreiben in die Hände, das der Graf nicht vorher durchgelesen hat. Und dann würde unser Herr dem geschriebenen Worte eben so wenig Glauben beimessen, als dem gesprochenen.“

            Wiederum seufzte der Haderlump. „Ich möchte mit dem Minister nicht unter einem Dache wohnen,“ sprach er dann.

            „Warum nicht?“ Fragte der Hofdiener. „Sein Dach, sein Palast, sein Garten ist der schönste in ganz Dresden. Die Leute drängen sich zu seiner Gesellschaft, zu seinem Dienste, zu seinen Gastmählern, zu seiner Gnade. Er hält sich zweihundert Diener, besitzt in seinen prächtigen Zimmern Hunderte kostbarer Uhren, Hunderte von Kleidungsstücken jeglicher Art. Ein Paar

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